Meine aller ersten Wiener Hochflieger erhielt ich im Alter von 8 Jahren von Johann Binder einem äusserst liebenswerter Mann, hier in Sissach. Bereits im Kindergartenalter durfte ich des öfteren in diesen Taubenschlag. Vermutlich habe ich mir zu diesem Zeitpunkt den "Taubenvirus," von dem ich bis zum heutigen Tag befallen bin, eingehandelt.
Ich glaube, damals wurde noch nicht zwischen dem Austellungs-Tümmler und den heutigen Flugtypen unterschieden. Jedenfalls waren diese Tauben eher fein in der Gestalt und im Kopf, flogen aber vorzüglich um die 2-3 Stunden. Bei uns ins Sissach waren noch drei weitere Wiener-Züchter, deren aller Stiche sich dann jeweils zu einem Trupp zusammenschlossen. Tonangebend war aber immer dieser Johann Binder ein guter Freund des legendären Febo de Fries dessen allbekannte Geschichten, die oft an "Taubenlatein" grenzten, ich noch oft live mitanhören durfte. Febo bastelte zu dieser Zeit eine kleine Kanone mit Flobert-Munition, die er einer Taube auf den Rücken schnallte. Ob er je einen Raubvogel damit erlegt hat, entzieht sich meinen Kenntnissen. Jedenfalls war er in der Fachpresse allgegenwärtig.Diese Bindertauben hielt ich eigentlich während meiner ganzen Jugendzeit. Später, als nur noch die feinen Austellungstauben. mit denen ich manchen Erfolg buchen durfte, gefragt waren, mussten diese Flieger weichen. Das seine dazu beigetragen hat auch der Wanderfalke der bei uns im Baselbiet zu dieser Zeit allgegenwärtig war. Allerdings nicht in der Häufigkeit wie wir Ihn heute antreffen. In späteren Jahren, die Austellungszüchterei mochte mir nicht mehr allzusehr gefallen,( Diskussionen um Punkte, Inzucht-Erscheinungen, schlechte Aufzuchtergebnisse) beschloss ich wieder auf die Fliegerei umzustellen. Doch wo waren die Tauben geblieben ? Bei einem Herrn Madörin in Liestal machte ich dann wieder Wiener-Hochflugtauben der alten Manier ausfindig. Er, ein bereits betagter Mann hielt sich diese Tauben so zum Fliegen, aber auch zum Ausstellen. Aus diesen eher groben, sehr hochstehenden, langesichtigen Tauben, wie sie auf alten Zeichnungen dargestellt sind, züchtete ich mir dann durch strenge Selektion wieder echte Hochflugtauben. Später erhielt ich dann von Hans Wettach einen einzelnen Täuber, ich glaube ein gekranzter, der dem heutigen Fliegertypus entsprach. Danach wurden bei mir Tauben von Herrn Holliger aus Staufen und ebenfalls Tauben die mir Hans Wettach besorgte eingekreuzt. Mit dieser "Wiener-Mischung" hatte ich beachtliche Flugergebnisse. Und ich glaube, mit diesen Tieren den Grundstein für die heutige Wienerzucht gelegt zu haben. Einige Jahre später zogen dann die ersten Krombach-Tauben auf meinem Schlag ein. Diese Tiere züchtete ich rein weiter und sie unterschieden sich eigentlich nicht von den meinigen. Später wurden dann die beiden Linien auch gekreuzt, aber immer so, dass noch reine Tiere der alten Linien übrig blieben. Ich glaube sagen zu dürfen. dass alle Nachzuchttiere ausnahmslos flogen. Sogenannte Nieten, die man nur mit Gewalt in die Luft brachte waren mir total unbekannt. Vor ca. zehn Jahren erstand ich mir abermals ein Dutzend Jungtiere von einem bekannten deutschen Züchter. Leider zeigten sich bereits beim Einfliegen der Jungtauben, dass nicht alle zu fliegen gewillt waren. Sie mussten förmlich gejagt werden. Noch heute, wenn mal ein pupertierender Jungtäuber so einfach im Sturzflug aufs Dach zurückkehrt, weist sich durch die Stammbaumkontrolle immer wieder der gleiche Ahne aus. Fast vergessen habe ich die gestrichten Wiener Hochflieger, deren Ahnen noch oestereichische Ringe trugen. Diese Tauben habe ich immer rein erhalten, obwohl aus diesen Tieren immer wieder Hellstörche fielen, die sich von den andern durch nichts unterschieden. Heute besitze ich Tauben, die einem wahrlich Freude machen. Sei es in der Zuchtfreudigkeit, im feurigen Flug der seine Grenzen bei 2 bis 3 1/2 Stunden hat, dafür aber dem echten Wiener Stil entspricht, wie ich in aus meiner Jugendzeit in Erinnerung habe. Sehr grosse Freude bereiten mir immer wieder Neuzüchter die ich mit jungem Tiermaterial austatten darf. Ich glaube sagen zu können, dass ich nur positive Reaktionen erleben durfte, zumal ich oft die eigens geschriebene "Betriebsanleitung" für meine Wiener Hochflugtauben mitlieferte. Trotz meinem jeweiligen Rücknahmeangebot musste ich noch nie nichtfliegende Tauben zurücknehmen.
An den Kindern sieht man bekanntlich am Besten wie die Zeit vergeht!
Mein erster Enkel Marc mit zwei zukünftigen Himmelsstürmern.
Marc, 6 jährig, mit seinen beiden Kingtauben, einer amerikanischen Taubenrasse. Auch heute als ausgewachsene Tiere sind diese Tauben noch total handzahm und ideale Pfleglinge für Kinder. Vielleicht erbt ja eines meiner vier Enkelkinder die Begeisterung des Grossvaters für die Taubenzucht.
Mittlerweile ist der Schlingel 12 Jahre alt und lässt sich hier von seinem arabischen Trommler Pacco am Ohr kraulen. Marc's Haupt-Interesse gilt einem andern Flugsport, der Modell-Fliegerei, die er mit seinem Vater leidenschaftlich betreibt. Währenddessen ein Modell-Crash schon ins gute Geld gehen kann, reproduzieren sich unsere "Flugkörper" (Zitat Brieftaubenregelement schweizerische Armee) von selbst.