Konkurrenz für unsere Wertungsrichter?

Barometrische Höhenmessung bei Hochflugtauben

In der  Geflügelzeitung vom Jan. 2016 hat Jürgen von Ramin, Zuchtfreund und Pionier in Sachen Evaluierung und Erprobung  von technischen Hilfsmitteln zur Höhenmessung, ein neues Gerät vorgestellt. Das Altimeter Three, ein ca. 10 Gramm leichtes Altimeter, das erlaubt, genaue barometrische Höhenmessungen, mit unseren Hochflugtauben, vorzunehmen. 

Kurz darauf habe ich mir aus den USA ebenfalls ein solches Wunderinstrument schicken lassen. Damaliger Preis um die 100 CHF + um 40 CHF Versand und Zollgebühren.

Der andauernde Raubvogeldruck liess mich meine „Testreihe“ immer wieder hinausschieben, schliesslich wollte ich das kostbare Stück nicht verlieren und nicht unbedingt als Beute eines Wanderfalken, in seinem Horst wissen.

Schon im zeitigen Frühjahr 2018 zeigte eine kleine Truppe, meine 6 Wiener Reserve-Hochflugtauben, konstante, sehr gute Flugleistungen. Die Gruppe ist klein genug, um weit entfernte Wanderfalken nicht sofort anzulocken. Jedenfalls herrschte diesbezüglich seit Wochen angenehme Ruhe. 

Mittels einer Holzattrappe mit den Massen und Gewicht des Altimetere habe ich mehrere Befestigungsarten ausprobiert, aber keine überzeugte mich wirklich. Ein Video eines Taubenschwarmes mit auf den Schwänzen montierten Taubenpfeifen, brachte mich auf eine neue Idee.

AltimeterThree links, Alu-Befestigungsmodul rechts
Einheit montiert!
Die beiden Klettbänder werden zur Montage aufeinander gedrückt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus ca 0.3 mm dickem Aluminiumblech fertigte ich ein Trägermodul, dass ich zwischen den mittleren Schwanzfedern, befestigte. Eine Blechschraube dient als Arretierung und ein Mini- Kabelbinder zum Zusammenhalten der Federn.  Das federleichte Blechteil, innen mit selbsthaftendem Klettband ausgelegt, befestigte ich auf einer möglichst erfahrenen Taube. In meinem Fall einem meiner blauen Wiener.  Dieser Täuber hat von Anfang an gut mitgespielt und machte nie Anstalten, sich wegen seines Huckepacks, etwas anmerken zu lassen. Auch ihn liess ich anfänglich mit einem baugleichen Holzquader fliegen. Zur Zeit trägt er das Alu-Modul immer auf sich und es fügt sich so schön ins Schwanzgefieder ein, dass es auch nicht sichtbar ist. Das AltimeterThree kann ich so schnell entfernen, bzw. remontieren.

 

Das Altimeter3 lässt sich mittels einer App mit meinem Handy verbinden. Vor dem Flug montiere ich die „Blackbox“ auf den Taubenschwanz und schalte das System ein. Die App bringt dann die Aufforderung, eine Verbindung herzustellen und anschliessend zu starten. Im gleichen Moment starte ich die Tauben und meinen Chronographen als Vergleichszeitmesser.

Sind die Tauben, inkl. der Messtaube, nach dem Flug gelandet, kann ich erneut eine Verbindung herstellen, die Mission beenden und dann die Daten vom Altimeter auf mein Handy herunterladen.

Skala mit der Höhenmesskurve auf dem Iphone!
Angaben zum Flug!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sensationell was sich mittels dieser Technologien messen lässt. Wir haben nun eine Methode, die wirklich objektive Messungen zulässt. Gegenwärtig werde die Höhen anhand der Grösse der Tauben, der Sichtbarkeit des Schwanzes, des Kopfes und des Flügelschlages geschätzt.

Die Wetterbedingungen mit unterschiedlicher Luftdichte, Feuchtigkeit und Beleuchtung sind Faktoren, die bei einer Bewertungen von Auge, schon Unterschiede ergeben und daher als subjektive Messungen angesehen werden müssen. Nur wenn auch hier eine gewisse Fehlerquote eingerechnet werden muss, haben doch alle Teilnehmer ausgleichende Bedingungen.

Brauchen wir unsere Wertungsrichter noch? Ich glaube schon! Ein Wertungsflug ist ja meistens auch ein kleiner gesellschaftlicher Anlass unter Gleichgesinnten auf den man nur ungern verzichten möchte. Sicher werden in Zukunft solche Altimeter zur genauen, nachträglichen Beurteilung, hinzugezogen werden.

Ich warte jetzt auf die nächste Generation Altimeter. Im Zuge der Miniaturisierung wird sicherlich bald noch ein kleineres, leichteres Modell entwickelt werden, dass dann an den Fussring der Taube angedockt werden kann.

Peter Berger